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Modernes Tunesien




Für das Abwasserwesen in Tunesien ist das Office National de l'Assainissement ONAS zuständig (die Nationale Abwasserbehörde oder in Englisch National Agency for Wastewater Management; für manche vielleicht besser verständlich). Bis in die Mitte der siebziger Jahre gehörte der Abwassersektor in Tunesien zu den Aufgaben der Kommunen. Aufgrund der rasanten städtischen, industriellen und touristischen Entwicklung sahen sich die Kommunen technisch und finanziell jedoch nicht mehr in der Lage, diese Aufgaben zufriedenstellend zu bewältigen. Dies veranlaßte Tunesien 1975 die ONAS als staatliche Behörde, die in diesem Sektor spezialisiert ist, zu gründen. Die ONAS ist dem Ministerium für Umwelt und Landesplanung unterstellt.
Heute ist die ONAS, mehr als ein reines "Entwässerungsamt", die erste Anlaufstelle im Bereich des Gewässerschutzes. ONAS ist zuständig für die Planung, den Bau und den Betrieb der Anlagen zur Abwasserentsorgung und -behandlung. Heute betreibt ONAS insgesamt 7.700 km Kanalisation, 340 Pumpstationen und 52 Kläranlagen (Stand 1997) bei einer Anschlußrate der städtischen Bevölkerung von 78% bzw. 61% auf nationaler Ebene (4,7 Millionen Einwohner). Dies sind Zahlen, die sicherlich besser sind als diejenigen so mancher "entwickelten" EU-Mitglieder im Mittelmeerbecken.
Von den 75 Kläranlagen, die bis zum Jahr 2001 in Betrieb sein sollen, werde ich bei insgesamt 12 von ihnen (16%) maßgeblich planerisch tätig gewesen sein. Seit 1994 habe ich in leitender Funktion an der Planung der Kläranlagen von 8 Orten im Medjerdah-Tal (dem wichtigsten Oberflächengewässer des Landes) und der Kläranlagen von Sfax (2) , Sousse und Kairouan (die ersteren sind die zweit- und drittgrößten Städte Tunesiens) mitgewirkt.

In Tunesien ist die weitverbreiteste Art der Abwasserreinigung die Langzeitbelüftung. Bei diesem Verfahren wird der Klärschlamm im Belebungsbecken simultan stabilisiert. Dies ist ein energieintensives Verfahren, dessen Einsatz sich in Tunesien jedoch aufgrund der niedrigen Strompreise bis zu einer Größenordnung von 200.000 Einwohnern lohnt, während die Grenze seiner Wirtschaftlichkeit in Deutschland bereits bei 5.000-10.000 Einwohner-Werten liegt. Dieses Verfahren wird zusätzlich wegen seiner Betriebssicherheit geschätzt.
Wir schließen diese Seite mit dem Bild des Kanaldeckels, der bei uns vor der Haustür liegt. (Hinweis: Die Ortsangabe Bizerte bezeichnet im diesem Fall nicht die Lage des Schachts sondern den Standort der Gießerei)




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